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Sex: 50 Shades of America

Erstellt von r.ehlers am Mittwoch 18. Februar 2015

-de.wikipedia.org-

Film nach dem Buch von E.L.James

Ich möchte Sie verführen, sich den gerade in unseren Kinos angelaufenen Film

„50 Shades of Grey“

anzuschauen. Ich tue dies nicht, weil ich meine, dass der Film „gut“ wäre. Er ist lediglich in einigen Aspekten „gut gemacht“.Aber er ist ein Spiegelbild der amerikanisch gefärbten künstlichen Welt, die uns auf vielfachen Wegen ständig als die wahre Realität von Wert vorgehalten wird. Als solcher ist er ein Dokument unserer Zeit wie „Superman“ oder „Batman“, anders als diese zielt er aber wie ein „Soft-Porno“ auch auf die inneren Triebkräfte und Begehrlichkeiten der Zuschauer.

In diesem Film geht es verbal und bildstark angeblich wie immer nur um „das Eine“, das auch ständig schamlos ausgesprochen wird: um das Ficken (am.: fuck), dies aber nicht wild und ungestüm, sondern streng kontrolliert und geradezu aseptisch sauber, wenn auch in seinem extremen Spiel mit Domination und Schmerz  grenzwertig pervers.

Am Ende meiner kleinen Filmrezension werde ich aufzeigen, welchen Zusammenhang es zwischen der richtigen Versorgung durch Essen und Trinken einerseits und mit der sinnlichen Erfahrung durch die Sexualität, mit dem Erleben körperlicher Lust wie auch dem sinnlichen Spiel mit dem Schmerz andererseits gibt.

Zunächst aber zum Film:

 

Der Film hat anders als meine Rezension natürlich nicht den Namen der USA im Titel. Er heißt 50 Shades of Grey, weil die – als Person ziemlich uninteressante – Hauptfigur des Films, wie auch der diesem Menschen gehörende im Einzelnen nicht näher beschriebene Multi-Milliarden-Dollar-Konzern, zufällig den Namen Grey haben. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die Schwarz, Weiß, Rot(h) oder Grün heißen oder eben Grau. Nur für uns Deutsche haben die vielen Schattierungen der Farbe Grau eine ganz besondere Bedeutung. Sie wurden nämlich in der DDR erfunden, in der andere Farben nur durch unterschiedliche überlagernde Grauschleier hindurch zu erahnen waren.

Vordergründig geht es in diesem Film wirklich um den Sex oder zu deutsch: den Geschlechtsverkehr. Es werden ja auch Sexszenen gezeigt, in denen teilweise ganz gezielt eine ziemlich dichte erotische Spannung aufgebaut wird. Wer würde nicht mitfühlen, wenn eine Pfauenfeder sanft über den langen Rücken der schlanken jungen Hauptdarstellerin (Dakota Johnson: nettes Äußeres, unbedarft) oder über die Innenseiten ihrer Oberschenkel gleitet? Oder wenn sie von einem heftigen Klaps etwa auf den Po überrascht wird? Da wird trotz der himmelweiten Kluft im unvorstellbar großen Vermögen von Mr. Grey und der von ihm eroberten kleinen Schulabgängerin (Automarke: alter VW-Käfer!) sowie der Millionen Eintritt zahlender Zuschauer des Films in der ganzen Welt die Gleichheit aller Menschen als Wesen mit einem eingebauten Trieb zur Reproduktion spürbar.

In Wahrheit geht es im Film aber gar nicht um Sex. Zwar füllen die immer gleichen sexuellen Handlungen des etwas geistlos-sturen, aber drahtigen Mr. Grey mit seiner jungen Gespielin immer wieder die Leinwand. Diese Szenen werden aber in ihrer Wirkung weit überhöht durch schwindelerregende Schwenks über die verquirlten endlosen Freeways von Portland, Oregon, und Seattle, Washington, und durch die seelenlosen engen Schluchten der Wolkenkratzer dieser Megastädte ganz im amerikanischen Nordwesten. Optisch viel stärker als die Sexszenen sind auch die Bilder vom Höhenflug des privaten Hubschraubers des jungen Konzerninhabers und dem berauschenden Gleitflug mit dem Segelflieger hoch über den Niederungen der schnöden Welt ganz unten.

In diesem Film geht es überhaupt ständig aufwärts, hoch hinaus in die Sphären, in denen hochgestylte Männer und Frauen sich in riesigen innenarchitektonisch durchorganisierten Büros, Konferenzsälen, Penthäusern, „fancy“ Restaurants und „schicken“ Bars treffen und über Geschäfte, Golf und heiße Autos und sonst nichts reden. Das ist die Welt, wie ihn der Mann auf der Straße sie sich als Tummelplatz der wahren Herrscher dieser Welt vorstellen soll: die Welt der Wall Street, von Goldman & Sachs, der Rating-Agenturen und der großen Anwaltskanzleien (TTIP: „konzernnahe Anwälte“),  zusammengefasst: der kleinen Zahl der wahren „global players“. Der Film spielt sich eben ab in den höheren Sphären „on the top of the world“, wie es die „Carpeters“ im gefühlvollen Hochzeitslied der 70er besingen.

Aber was ist denn mit den 50 Shades des Mr. Grey? Davon ist natürlich auch die Rede.Gegen Ende des Films wird klar, dass es um eine Geschichte geht unter Aufnahme des Themas der berühmten „Marqise von O“ von Heinrich von Kleist geht und noch mehr um die skandalösen Werke „120 Tage“, der „Justine“ und der „Philosophie im Boudoir“ des berüchtigten Marquis de Sade. Helmut Mayer in der FAZ urteilt, dass sich neben de Sade der Roman „Shades of Grey“ wie ein Pixi-Buch ausnimmt. Recht hat er, für den Film gilt das umso mehr.

Das arme kleine Mädchen, das Bedenken hat, ganz auf die von ihrem begehrlichen Freier so perfekt vorbereiteten sado-masochistischen Spiele – in seinem waffenstarrenden „Spielzimmer“ – einzugehen und die von seinem persönlichen Anwalt aufgesetzte seitenstarke Vereinbarung über Verschwiegenheit und die Go’s und No-Go’s beim Sexualverkehr zu unterschreiben, erhält auf ihre Fragen, ob er es nicht auch „normal“ mit ihr treiben könnte, nur die kurze  Antwort, die jede Diskussion ausschließt:

„Ich habe nun mal diese 50 abgefuckten Facetten!“ 

Mehr erfährt auch der Zuschauer im Kino nicht über die Gründe für die Abgründe dieses Mannes, der nur anfassen, aber selbst nicht angefasst werden will („noli me tangere“). Zuvor hatte er schon erklärt, dass er selbst als Jüngling sechs Jahre lang der „Sex-Sklave“ einer Frau in mittleren Jahren gewesen sei und dies sehr genossen gehabt hätte. Sie machen noch Scherze über die mögliche Parallele zum Film „Die Reifeprüfung“ (The Graduate), in dem ein von Dustin Hoffmann gespielter Schulabgänger von Mrs. Robinson („God bless you, please, Missis Robinson, Jesus loves you more than you will know, …“), der Mutter eines Freundes, „in die Liebe“ – genau genommen natürlich allein in den Sex – eingeführt wird. Das war aber 1960/61 eine ganz andere Klasse von Film! Heute kommen die Filme aus den USA – selbst wenn sie vom deutschen Regisseur Wolfgang Petersen sind – fast nur noch bombastisch und voller amerikanischer Rührmoral rüber! Wer verlangt denn nur danach?

Leider kennt man in Übersee kaum den großartigen deutschen Dichter Erich Kästner, der in seinem herrlichen Roman Fabian (kein Kinderbuch!) die wiederholte Begegnung eines durchtriebenen kleinen Hotelpagen (im Film toll gespielt vom jungen Horst Buchholz) mit einer reifen Frau in ihrem Hotelzimmer beschreibt, die ihn in die sexuellen Freuden der gespielten Unterwerfung einweist –mon petit esclave!  Von dem Flair dieser frechen Phantasie Kästners hat die Geschichte vom dominanzbesessenen Mr. Grey leider nichts.

Zum Bruch zwischen dem Sado-Maso-Typen Grey und seiner jungen Gespielin und kurzzeitigen Lebensabschnittsgefährtin kommt es, als sie von ihm verlangt, ihr vor der Unterzeichnung der ominösen Vereinbarung zu zeigen, wie weit er mit der körperlichen Züchtigung äußerstens zu gehen gedächte. Er fesselt sie auf das Bett und verpasst ihr sechs gewaltige Schläge auf das entblößte Gesäß mit einem schweren Ledergürtel – Schläge von solcher Wucht, wie man sie sich im Justizvollzug im Königreich Saudi-Arabien vorstellen muss (die in der Massierung sogar töten). Das Happy End des Films ist – sehr amerkanisch -der Sieg des Anstands und der Moral. Was zuviel ist, ist zuviel. So wie der dicke Rocksänger mit den vielen Oktaven Stimmumfang, Meat Loaf,  singt:

„I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That)!“

Lange nach dem Filmbesuch verfolgte mich der Gedanke, dass man doch eigentlich über Gewalt in den USA kaum reden könnte ohne die Lieblingsfolter der amerikanischen Militärs, das Waterboarding, zu erwähnen, wo der Wille des Gefolterten mit der nackten Angst vor dem Ertrinken gebrochen wird. Andererseits fehlt dabei – zumindest auf Seiten des Opfers – ganz und gar die sexuelle Komponente. In der Abteilung „Strafrecht 7“ der Kriminologie der Wilhelms-Universität Münster habe ich vor Jahren eine Vorrichtung gesehen, mit der ein Geschlechtspartner den anderen bis an die Grenze des Todeseintritts am Hals aufhängen und durch den so erzeugten mechanischen Druck auf Nervenzentren im Hals kurz vor dem Genickbruch zum sexuellen Höhepunkt bringen konnte. In der kriminologischen Sammlung landete die Vorrichtung aus dem „Spielzimmer“ der Betroffenen, weil sie in einem Fall mal zuviel riskiert hatten, sodass eine fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge zu beklagen war.

 

Nun aber zum angekündigten Bezug von Sex und richtiger Versorgung:

Übellaunige Menschen haben keinen „guten Sex.“ Dafür gibt es einleuchtende psychologische Gründe. Diese aber stehen in Wechselwirkung mit der Versorgung des Gehirns mit den Botenstoffen, die erst die Fülle der mentalen Funktionen erleben lassen. Insbesondere kann von einem Menschen mit einem deutlichen Mangel am Schlüssel- und Wohlfühlhormon Serotonin nicht erwartet werden, dass er die Ausgeglichenheit und emotionale Sicherheit hat, die es braucht, seinem Partner auf allen Ebenen offen zu begegnen (was natürlich nicht heißt, dass mit der Herstellung des hormonellen Gleichgewichts alle möglichen Beziehungsprobleme gelöst wären).

Serotonin hat auf vielfache Weise mit dem Ausleben der Sexualität zu tun, allemal schon dadurch, dass es das  Sexualkontroll- und das Sozialhormon ist und damit die sexuelle Aktion fördert sowie ihre übermäßige Ausübung bremst. Es ist auch das Wahrnehmungs- und das Schmerzkontrollhormon und

  •  steht damit an der Grenze der sensorisch-erotischen Wahrnehmung (Streicheln, Kitzeln, Knuffen, Zärgern etc.)
  • und dem Schmerzempfinden.

Als Stresskontrollhormon wird es wohl auch durch intensive sexuelle Aktivität auf den Plan gerufen, analog zum „Runners High“, dem Hochgefühl der Langläufer. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Verstärkung der serotonergen Wirkungen durch sexuelle Aktiviät

  • nicht ganz so stark ist wie durch den intensiven Verstoffwechslungsreiz nach dem Verzehrs nativer Kost/Aminas auf leeren Magen.

 

Mehr über Sexualität und Serotonin finden Sie in meinen Beiträgen:

http://www.essenspausen.com/sexualitaet-und-serotonin/,

http://www.essenspausen.com/sexualitaet-und-serotonin-2/,

und http://www.essenspausen.com/homosexualitaet-zu-verschweigen-ist-falsch .