Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

Archiv für Juli, 2019

Ist die EU eine Demokratie?

Erstellt von r.ehlers am 18. Juli 2019

In den Verträgen der (derzeit noch) 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ist eindeutig geregelt, dass die EU kein weiteres Staatsgebilde ist, sondern eine von den diesen Staaten gebildete Institution. Sie ist nicht unmittelbar Träger staatlicher Gewalt, ist vielmehr von den Regierungen der Mitglieder mit der Erfüllung öffentlicher Aufgaben belehnt.

Das gerade von den Bürgern in den Mitgliedsländern neu gewählte Parlament in Strassburg hat kraft der Verfassung der EU gewisse Mitwirkungsrechte gegenüber dem von den Regierungen der Mitgleider gewählten Europarat. Dazwischen steckt noch die EU-Kommission, eigentlich eine Einrichtung des Rates, aber auf komplizierte Weise in seiner Zusammensetzung vom EU-Parlament mit beeinflusst.

In diesem Wirrwarr wurden von den Bürgern die EU-Abgeordneten ins Parlament geschickt, der Rat schlug seine Kandidation von der Leyen als Kommissionspräsidentin vor und die Parlamentarier wählten sie mit Zähneknirschen. In der Folge verläuft die Einsetzung der weiteren Kommissionsmitglieder (für jedes Mitglied eines) ähnlich. Das Parlament kann vorgeschlagene Kandidaten so lange ablehnen, bis ihm welche behagen.

Was an diesen Vorgängen ist demokratisch? Verteufelt wenig. Das Volk hat nur das Recht, die Personen in die nationalen Parlamente und getrennt davon ins Europaparlament zu entsenden. Was in den politischen Sachfragen geschieht, geht das Volk nichts an, es wird von den Staaten und den in ihnen tätigen Medien über das informiert, was von den Parlamentariern und der von ihnen gewählten Exekutive (Regierungen, Kommission) entschieden wird. Die Entscheidungen der EU sind in der gegebenen Struktur extrem weit weg von den Bürgern, weil Mitglied der Kommission nur werden kann, wer dem EU-Parlament über den Europarat vorgeschlagen wurde. Alle, die in die Parlamente gewählt wurden, sind in ihren Personalentscheidungen frei. Sie müssen sich – wie jetzt in der Frage der Spitenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten – nicht an ihre Erklärungen vor der Wahl halten. Erst recht spielt die Meinung der Völker in Sachfragen (mit Ausnahme einiger regionaler Volksentscheide) absolut keine Rolle.

Auf dieser Basis versuchen die derzeit noch tonangebenden Kräfte in der EU die Souveränität der Mitglieidsstaaten auszuhöhlen. So soll eine „Verteidigungsunion“ gebildet werden. Über den Kriegseinsatz soll dann wohl die Kommission beschließen? Die, die die Kompetenzen bei den Mitgliedsstaaten belassen wollen, werden als engstirnige Nationalisten verunglimpft. Damit spielen sie den wirklich rechtsradikalen Kräften nur ins Spiel.

In Zeiten, in denen es klare Trennungen zwischen den begüterten besser gebildeten herrschenden Eliten und dem uninformierten Volk gab, hatte die reine repräsentative Demokratie noch einen Sinn. In zeiten aber, in denen es egal ist, ob die Mutter eines Staatslenkers (Schröder) eine Putzfrau war, der Vater eines Parlamentspräsidenten (Schulz) ein einfacher Arbeiter, die Tochter eines Pfarrers Kanzlerin und erst Bundesministerin und jetzt EU-Kommissionspräsidentin v.d.Leyen in eine zum norddeutschen Geldadel gehörende Familie eingeheiratet hat, haben wir keine Eliten mehr, die an Stelle des Volkes die politischen Weichen stellen sollen. Es ist Zeit für die Einführung von mehr direkter Demokratie in den Staaten, die sich zur EU zusammengefunden haben!

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Obligatorisches Essen auf leeren Magen

Erstellt von r.ehlers am 10. Juli 2019

Der Bierbauch – die Problemzone Nummer Eins

Bild: www.gesundheitsmagazin.net

Als in Fragen der richtigen Ernährung noch nicht der „Goldstandard“ der ergebnisbasierten randomisierten wissenschaftlichen Studien herrschte, wurde die Allgemeinheit noch nicht mit der heutigen schier unübersehbaren Fülle an einzelnen Informationen überschüttet, die meist nicht mehr bringen als einen Hinweis oder auch Nachweis eines bloßen Bezuges, einer Korrelation, zur Ernährung und ihren Folgen.

Die moderne Ernährungswissenschaft, die sich diesem „Studienrummel“ verschrieben hat, etablierte sich erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Grundlegende Fragen der Ernährung, insbesondere die wissenschaftliche Erforschung der ursächlichen Wirkzusammenhänge, lassen sich allein mit solchen Studien kaum beantworten, weil sie viel zu komplex sind, um sie auf einen einfachen Nenner zu bringen. Komplex heißt dabei ganz nach dem Gehalt dieses Wortes eben nicht bloß kompliziert, sondern so kompliziert, dass man einfach nicht dahinter kommt. Folglich kommt seit den 50er Jahren die Ursachenforschung in der Ernährungswissenschaft nicht voran.

Die Humanwissenschaften sind eben keine exakten Wissenschaften wie die Mathematik, die Physik und die Chemie. Die Ernährungswissenschaften kommen ebenso wie die Medizin nicht weiter ohne die Erarbeitung von Annahmen, Hypothesen und  Theorien sowie die Bemühungen ihrer Falsifizierung oder Verifizierung.

Wir tun daher gut daran, an die Arbeiten anzuknüpfen, die das Grundlagenwissen auf diese „altmodische“ Weise zu verbreiten suchen. Bestes Beispiel ist das 1883 herausgekommen Buch „Die neue Heilwissenschaft“ von Louis Kuhne, das in der Folge bis 1936 sage und schreibe 130mal aufgelegt wurde. Kuhne verdanken wir Erkenntnisse, die wir erst heute nach langen Irrwegen in ihrem Wert zu schätzen lernen. Daraus greife ich hier einmal den wichtigsten Aspekt heraus (5. Neuauflage, Turm-Verlag, 1998): Den Wert des Essens auf leeren Magen. Dort schreibt Kuhne über den überragenden Wert gut verdaulicher gegenüber schwer verdaulicher Nahrung, S. 94 f.:

„Je schneller unser Körper die ihm zugeführte Nahrung umzuwandeln imstande ist, desto mehr wird er davon zu seinem Nutzen verarbeiten können und desto mehr Lebenskraft wird er für sich erzeugen.

Ist nun eine Speise schwerer verdaulich, so dauert diese Arbeit, welche der Körper zu ihrer Verdauung braucht, länger. Wer sie genießt, muss in allen Fällen, soll sein Körper nicht Schaden leiden, so lange mit der Aufnahme neuer Nahrungsmittel warten, bis die vorher genossenen genügend verdaut sind. Leider ist das aber heute nur selten der Fall, zumal unsere Lebensgewohnheiten einem solchen scheinbaren Fasten hinderlich sind … “

Kuhne hat damit den von mir erstmals beschriebenen Weg der Einhaltung von Pausen zwischen den Mahlzeiten, der Essenpausen (Rolf Ehlers, Via Nova Verlag, 2012), in der Kernaussage vorweggenommen, auch den Weg des heute brandaktuellen intermittierenden Fastens, der, wie auch ich meine, kein wirkliches, sondern ein nur scheinbares Fasten ist.  Danach ist es obligatorisch, nichts Substantielles zwischen den durch Essenspausen getrennten Mahlzeiten zu essen. Das Warten mit der Nahrungsaufnahme hat aber seinen Sinn nur bis zur nächsten regulären Mahlzeit und nicht wie beim medizinischen Heilfasten über längere Zeiträume. Kuhne ist auch ein Freund solcher medizinischer Fastenkuren, er erkennt aber, dass sie etwas ganz anderes sind eine besondere Verteilung des Essens über den Tag hinweg.

Von Kuhnes obligatorischem Nichtessen zwischen zwei Mahlzeiten ist der Weg nicht weit zu meinen „erlaubten Zwischenmahlzeiten“, die ich Olaf Adam (KFZ-Diät, Haedecke, 2003) abgeschaut habe. Der enorme gesundheitliche Vorteil der Essenspausen ist, dass sich in ihnen der Metabolismus auf die Fettverbrennung umstellt und zudem, dass er Körper dazu übergeht, unter Einsatz der Lysosome genannten Organellen in den Körperzellen diese vom angesammelten innerzellulären Abfall zu befreien (Autophagie). Adam hat festgestellt, dass kleine Zwischenmahlzeiten, die weniger als 10 kcal Energie leicht verfügbar machen, diese Vorgänge nicht unterbrechen. Man kann daher unbedenklich innerhalb der Essenspausen jederzeit und auch wiederholt solche kleinen Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen. Es ist einleuchtend, dass mit dieser Ausnahme die obligatorische Einhaltung des Nichtessens vor der nächsten anstehenden Mahlzeit viel leichter fällt.

Derzeit sind 70 % der Deutschen übergewichtig oder fettsüchtig. Mit dem obligatorischen Essen auf leeren Magen, gemildert durch kleine Zwischenmahlzeiten, kann die Situation nicht nur auf dem Papier geändert werden, weil die erlaubten Zwischenmahlzeiten Platz lassen, sofort auf Hungerattacken zu reagieren. Kuhne erklärte zwar, dass der Hunger in den Essenspausen von selbst zurückginge. Das ist tatsächlich bei vielen Menschen so, aber wohl nicht einmal bei der Mehrheit. Für alle anderen ist es wichtig, dass sie mit den kleinen erlaubten Zwischenmahlzeiten jederzeit gegensteuern können.

Bild: www.deutschlandfunkultur.de

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