Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

Fake Promises: Native Kost hilft nur in bestimmten Fällen

Erstellt von r.ehlers am Sonntag 7. Oktober 2018

I. Aufbau und Ende von Aminas

Im Jahre 2000 stellte ich auf einer Geschäftsreise durch China fest, dass das dort als Abnehmmittel verkaufte getrocknete und gemahlene Pflanzenprodukt namens KUIKE, wenn ich eine kleine Menge davon mit einem Glas Wasser auf leeren Magen verzehrte, meine Stimmung sofort verbesserte und dafür sorgte, dass ich den ganzen Tag über wach und munter blieb und nachts viel besser schlief. Mein damaliger Freund und Mandant Armin Bonack aus Solingen machte dieselbe Erfahrung. Wir stellten fest, dass die Wirkung jeden Tag neu zu erzielen war. Wir sprachen ab, dass ich mich in die wissenschaftliche Literatur in Biochemie und Medizin einlesen sollte, um den Hintergrund für diese Wirkungen zu ermittteln.

Meine Erfahrungen mit KUIKE und meinen vielen versuchsweisen neuen Pflanzenmischungen wie auch die Rückmeldungen von vielen Interessenten, die ich gewinnen konnte, führten mich zu meiner Entdeckung des körpereigenen Aufbaus des Wohlfühlhormons Serotonin – eben durch den Verzehr solcher Pflanzenkost, die ich später in meinem Buch „Wohlfühlhormon Serotonin“ (Via Nova Verlag, 2012, 2. Aufl. 2014) zusammenfasste. Mit der Buchveröffentlichung gründete sich auch die (sich jetzt auflösende) GfE-Gesellschaft für Richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V., deren Vorsitz ich übernahm. 2006 hatte ich eine Mischung aus den getrieideähnlichen Stoffen Amaranth und Quinoa gefunden, die wir Aminas Vitalkost nannten. Mein jüngster Sohn Dominik übernahm den Vertrieb in der Firma Aminas, Armin Bonack war stiller Partner. Als Sprachrohr für die Verbreitung des neuen offenbar großartigen Wissens gewannen wir den bekannten Alternativmediziner Dr. Ruediger Dahlke. Um unabhängig zu bleiben, fungierte ich in der Vertriebsfirma ähnlich wie Dr. Dahlke nur als externer Berater.

Meine Frau, die erst nur schwer für das Projekt zu gewinnen war, übernahm schließlich als Geschäftsführerin die „Finanzhoheit“ für das Unternehmen. Damit begann der Abstieg des Unternehmens. Zunächst ekelte sie den Freund und Partner Armin Bonack aus dem Hause, sodass dieser nach heimlicher Vorbereitung zusammen mit einer führenden Mitarbeiterin eines Zulieferers von Aminas eine neue Firma, die Abon Vital Vitalkost U.G. in Hamburg, die mit relativ wenig Erfolg ihre eigene Vitalkost verkaufte. Ihm gelang es, zusammen mit dem Aminas- Vertriebsparter Naturella aus Wien mit -später nicht eingehaltenen – finanziellen Versprechungen – Dr. Dahlke auf seine Seite zu ziehen. Als für ihn kein Geld floss, begann Naturella, die Produktidee zu übernehmen. Seither preist Dr. Dahlke dessen teuren Aminas-Nachfolger TAKEme.

Der so geschwächten Aminas GmbH versetzte dann meine Frau den Todesstoß, indem sie mehr oder minder das Vorgehen des von ihr vergraulten Partners Bonack kopierte. Hinter meinem Rücken und dem ihres Sohnes plante sie von langer Hand, sich mit einem eigenenen Angebot an die Lieferanten, Vertriebspartner und Kunden heranzumachen. Zu diesem Zweck gründete sie heimlich in Spanien die Ehlers Naturkost S.L., die sie auch von dort aus betreibt (automatische Telefonumschaltung). Durchaus trickreich brach sie nicht von sich aus mit ihrem Sohn, sondern kürzte ihm wiederholt ohne vorherige Ankündigung seine Bezüge, bis er erklärte, dass er mit ihr nicht mehr arbeiten könne und ihr kündigte. Nur geschäftlich ging ihr Konzept auf, mein Sohn und ich allerdings sagten uns von ihr los.

II. Fake Promises (Falsche Versprechungen)

Neben diesem Hick-Hack ums Geld, wie es ihn ja auch bei großen Firmen wie Adidas/Puma und VW/Porsche gegeben hat, ist der Wert des  von mir gefundenen Weges zur Anhebung des Serotoninlevels durch native Ernährung ziemlich in den Hintergrund getreten. Es liegt aber auch an mir selbst, dass die Aminas Vitalkost, auch als sie noch keine Konkurrenten hatte, nur begrenzte Verkaufserfolge hatte. Jeder weiß, dass in der Werbung das oberste Erfolgsprinzip lautet: „Frechheit siegt!“ Statt pauschal und blumig umschreibend tolle physiologische und gesundheitliche Wirkungen anzupreisen (die unsere Rechtsprechung ja erlaubt , s. „Red Bull verleiht Flüüügel!“), legte ich als gelernter braver Jurist Wert darauf, dass die Aminas-Vitalkost  nicht heftiger beworben wurde als mit dem komplizierten Satz:

Wir nehmen an, dass der Verzehr dieses Lebensmittels auf den leeren Magen bewirkt, dass sich der bei vielen Menschen oft knappe Steuerstoff, das zentrale „Wohlfühlhornon Serotonin“ auf körpereigene Weise bildet. Diese Hypothese ist schlüssig begründet und steht widerspruchsfrei in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Wissen aus der Ernährungswissenschaft und der Hormonlehre (Näheres dazu im Japitel „Synthese von Serotonin auf unserer Homepage www.aminas.de). Im Rechtssinne ist diese Annahme aber nicht hinreichend wissenschaftlich gesichert, weil eingehende wissenschaftliche Überprüfungen noch nicht vorliegen.“

Als das Oberverwaltungsgerich Münster nach langem Rechtsstreit in letzter Instanz die Verbreitung dieser doch sehr vorsichtigen Erklärung im Verkauf der Aminas-Vitalkost verbot, ahnte ich, dass geschäftlich gesehen kaum noch Raum war für eine ehrliche Werbung. Auch in allen meinen Stellungnahmen im vorliegenden Blog wie auch in meinen Vorträgen und Büchern habe ich immer klar herausgestellt, dass das Aminas-Prinzip nur dann von Bedeutung ist, wenn der Mensch, der die kleine Portion Aminas auf leeren Magen zu sich nimmt, überhaupt einen nennenswerten Serotoninmangel hat! Wenn ich heute sehe, wie mein ehemaliger Freund Bonack, meine eigene Frau und andere Nachahmer ihre eigenen Pflanzenmischungen bewerben, wird mir richtiggehend übel.

Da sind beispielseise die kleinen Körner der Scheingetreide Amaranth und Quinoa plötzlich ein „Superfood“, das „Gold der Inkas“. Als ich damals diese Substrate auswählte, kam es doch nur darauf an, dass sie glutenfrei sind! Dass sie wegen des größeren Anteils an Spelz gegenüber dem Stärkekern etwas mehr an Vitalstoffen mitbringen als Weizen oder Hafer, ist doch bei der geringen Menge, die man davon auf leeren Magen isst, ohne wirkliche Bedeutung! Die Anbieter haben aber auch wenig Hemmungen zu behaupten, dass ihre Lebensmittel ohne Einschränkung nach dem gesundheitlichen Status allen Konsumenten physiologische und gesundheitliche Wirkungen sicherten. Meine Frau lässt dazu erklären:

Naturkost-Ehlers-Vitalkost unterstützt Ihr Wohlbefinden bei Arbeit, Freizeit und beim Lernen – für eine gesunde, ausgeglichene und freudvolle Lebensart! Sie ist die perfekte Lösung für alle, die wenig Zeit haben, sich aber trotzdem gesund ernähren möchten.“  Sie verspricht aber auch Hilfe beim „gesunden Abnehmen“.

Solche Versprechuhngen sind unredlich, verstoßen aber auch gegen strafbewehrte Vorschriften des Lebensmittelgesetzes.

III. Was bleibt vom Aminas-Prinzip?

Das wichtige Schlüsselhormon Serotonin spielt schon eine wichtige Rolle im Stresasystem des Menschen. Wenn der Mensch unter Stressfolggn leidet wie insbesondere fehlender Wachheit tagsüber und schlechtem Schlaf in der Nacht, gibt es eine endlose Kette möglicher Auslöser. Einer davon ist das Serotonin, das tatsächlich helfen kann, bestehende Stresskaskaden abzubauen. Was aber, wenn Serotonin gar nicht fehlt und die Fehlfunktionen beispielsweise auf dem Fehlen von Adrenalin oder dem Überschuss an Cortisol beruhen? Oder auf einem Mangel an Vitaminen D oder B12?  Die Symptome sind in allen Fällen fast gleich. Noch klarer ist es dann, wenn initial überhaupt keine Störungen vorliegen. Wozu soll man dann eine Dose gemahlenen Pflanzenmehls (zu teils irrwitzigen Preisen) kaufen und jeden Morgen einen Löffel davon verzehren? Wenn man Probleme hat, wie sie von der Medizin beim Fehlen von Serotonin vermutet werden, kann man doch einfach für ein paar Euro im Reformhaus Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Teff, Kürbiskern  (alle glutenfrei) kaufen und umgehend feststellen, ob man zu den Menschen gehört, die auf den Aminas-Effekt ansprechen!

Wer einmal zu denen zählt, bei denen das bisschen Pflanzennahrung auf leeren Magen so große Hilfen bietet wie ich selbst, mein damaliger Freund Bonack und bestimmt Tausende andere sie erfahren haben, heißt das natürlich nicht, dass das für immer so anhält. Ich weiß von mir selbst und ungezählt vielen anderen, dass sie nach Monaten oder Jahren wenig oder auch gar keine Änderungen in ihrem Wohlergehen mehr spüren. Wo kein Problem (mehr) ist, muss ja auch keines gelöst werden.

Im Übrigen bleibt es dabei: In unserer hektischen Zeit, die geprägt ist von Unsicherheit und Überforderung gibt es viele Mensschen, bei denen die uns von der Natur über Hormone und Transmitter mitgegebene Stressachse beschädigt ist. Einer der vielen Ansatzpunkte für die Entstehung der schädlichen Stresswirkungen ist die nicht ausreichende Versorgung mit dem Stresskontrollhormon Serotonin. Es ist sehr bedauerlich, dass es bisher weder mir noch sonst jemand gelungen ist, das Wissen um die Möglichkeit der Hebung des Serotoinstandes durch den Verzehr nativer Kost weit zu verbreiten. Abertausenden könnte geholfen werden, voraussichtlich viel mehr als durch die kritischen arzneilichen Serotoninwiederaufnahmehemmer!

Die Verbreitung des Wissens über diese Möglichkeiten wird indessen nicht dadurch gefördert, dass die Allgemeinheit sich blind auf die native Kost stürzt, denn die meisten Menschen werden feststellen, dass die Methode bei ihnen nicht wirkt – und wenn dann nur für eine begrenzte Zeit.