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GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

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Kennen Sie das Oxymoron?

Erstellt von r.ehlers am Mittwoch 30. August 2017

Lebende Tote (Bild: zombiesrungame.com)

Unsere Sprache ist der Werkzeugkasten unserer Logik und unseres Verstandes. Wir nutzen sie als unsere eigene und schauen uns unsere sprachlichen Mittel doch nur selten einmal näher an. Die allermeisten von uns (auch ich) haben keine sog. humanistische Bildung genossen, d.h. hatten die griechische und römische Klassik nicht als Hauptfach in der Schule. Für meine Person habe ich das oft bedauert. So habe ich mir die Kenntnis über die wichtigsten rhetorischen Stilmittel der deutschen Sprache erst autodidaktisch aneignen müssen. Erfunden haben sie die Griechen, die sie den Römern vererbt haben. Von beiden haben wir sie übernommen. Die griechischen Bezeichnungen sind bis heute geblieben.

Vielleicht haben Sie Interesse, einmal die wichtigsten dieser Stilmittel überfliegen zu können. Ich gehe sie einmal (im Wesentlichen) in alphabetischer Reihenfolge durch:

Alliteration ist eine sprachliche Spielart, bei der die betonten Stammsilben benachbarter Wörter mit demselben Anlaut beginnen, z.B. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ Es kommt nur auf den phonetischen Laut an, nicht auf den geschriebenen Buchstaben, daher ist. „schön und sauber“ keine Alliteration, wohl aber „samt und sonders“ weil dabei bei beiden Wörtern das gesummte „s“ der Anlaut ist.  Bekannter Sonderfall einer Alliteration ist der germanische Stabreim,  z.B. „frank und frei“, „Haus und Hof“, „Mann und Maus“ Auch die Römer liebten Alliterationen für rhetorische Zwecke, so Caesars „veni, vidi, vici“ und Catos „Et ceterum censeo Carthaginem esse delendam!“

Eine ähnliche Klangfigur wie die Alliteration sind das gern in Griechisch, Lateinisch und Englisch verwendete Homioteleuton, bei dem die Wortenden gleich sind. Im Deutschen wichtig ist  die sehr beliebte Assonanz, ein sog. Halbreim, der auf gleiche Binnenvokale in benachbarten Wörtern setzt. Ein schönes Beispiel für die Assonanz ist die erste Strophe des Gedichts „Ottos Mops“ von Ernst Jandl:

„ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso“

Eine Anapher nennt man das rhetorische Stilmitttel der Wiederholung eines Wortes oder Wortteils zum Zwecke der Hervorhebung, beispielsweise in der Klage von Lehrer Lämpel im Wilhelm Buschs „Max und Moritz“:

„Wer soll nun die Kinder lehren, und die Wissenschaft vermehren?                                                            Wer soll nun Lämpel leiten seines Amtes Tätigkeiten?“

Das Gegenstück zur Anapher ist die Epipher, bei der Worte am Ende aufeinander folgender Verse oder Sätze wiederholt werden, z.B. der Refrain im Lied „Für immer und Dich“ von Rio Reiser:

„Und das nur für Dich, für immer und Dich, für immer und Dich

Ein Chiasmus ist eine rhetorische Figur bei der Glieder und Teile von Sätzen – meist nach dem Schema Subjekt-Prädikat-Objekt – kreuzweise in parallelen Sätzen angeordnet werden. Beispiele: „Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit“ (Friedrich Schiller, Wallenstein) oder „Die Welt ist groß, klein ist der Verstand“ (Goethe, Faust I).

Ein Hendiadyoin bezeichnet eine rhetorische und stilistische Figur, die einen komplexen Begriff mittels zweier sprachinhaltlich ungleicher Ausdrücke beschreibt, die in der Regel durch die Konjunktion „und“ verbunden werden. Regelmäßig werden sie durch eine Alliteration gebildet, z.B. in „Haus und Hof“, gern aber auch mit einer Belebung heute selten genutzter Wörter wie in „rank und schlank“, „frank und frei“ und „klipp und klar“. Anders als bei der Tautologie, bei der die verbundenen Wörter gleichbedeutend sind, dient die Verbindung der Wörter beim Hendiadyoin einer erläuternden oder auch sinnverändernden Beifügung (Attribut), durch die erst die Gesamtbedeutung der Aussage hergestellt wird. Beispielsweise ist „Art und Weise“ eine bloße Tautologie, weil beide verwendeten Wörter für sich bereits alles sagen, was sie zusammen auszudrücken vermögen.

Ein Oxymoron (von oxys=scharfsinnig, moron=dumm) ist eine bewusste Verbindung einander inhaltlich widersprechender Wörter, z.B. „alter Knabe“, „stummer Schrei“ und das Volksgedicht (erste Strophe):

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.

Das Gegenstück (Antonym) zum Oxymoron ist der Pleonasmus, bei dem die miteinander verbundenen Worte nichts wirklich Neues mit sich bringen, z. B. beim Wort „pechrabenschwarz“. Wenn die einzelnen Wörter zur Gesamtaussage nichts beitragen, spricht man auch von einer Redundanz.