Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

  • Newsletter-Anmeldung

    Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter, um über neueste Beiträge umgehend informiert zu werden.

  • Tagungen, Seminare & Vorträge

  • Interessante Produkte

„In der Ruhe liegt die Kraft“ – auch beim Essen

Erstellt von r.ehlers am Sonntag 24. September 2017

-m.inbalance-ag.com-

Auch wenn wir viel von ihnen lernen können, sind es nicht nur die alten asiatischen Religionen, die um die Bedeutung der Ruhe für das Leben der Menschen wissen. Von den vielen Volksweisheiten, die unsere Sprache von Generation zu Generation weiter trägt, hat der Spruch

„In der Ruhe liegt die Kraft“

eine alle Bereiche des Lebens tief durchdringende Bedeutung wie kein anderer sonst. Ich will hier zeigen, wie sehr das auch für unseren Umgang mit dem Essen und Trinken gilt, dass er in diesem Bereich sogar eine überragende Bedeutung hat.

Keine andere Sprache als die deutsche hat einen so treffenden Spruch wie den,  dass die Kraft in der Ruhe liegt. Im deutschen Kontext stehen sehr aussagefähige Wörter wie „ruhig Blut“, „in aller Ruhe“, „Gemütsruhe“ und „einen langen Atem haben“. Immerhin sehr ähnlich, wenn auch nicht so oft genutzt heißt es im Spanischen „La fuerza esta en la calma“.  Im Amerikanisch-Englischen, einer Urheimat des modernen Umtriebigkeit und Hektik, findet man nur blassere Wörter mit in etwa vergleichbarer Aussage wie „there is strength in  serenity (tranquility)“ oder „power comes from inner peace“. Schon etwas bildhafter, aber typischer Weise auf Erfolg (success) begrenzt, kennen die Angelsachsen noch den Spruch: „Slow and steady wins the race.“

Die Ruhe, die innere und die äußere Ruhe, auch bei unserem Umgang mit der Nahrung, also unserer Art zu essen, zu tun hat, liegt daran, dass das richtige Essen von so fundamentaler Bedeutung ist und dass die Essweise und ihre Wirkungen auf Körper, Geist und Gemüt  täglich von vielen Gegebenheiten des Lebens beeinflusst werden.

Schon bei der Nahrungsauswahl und der Zubereitung unserer Nahrung brauchen wir unbedingt Ruhe und Gelassenheit statt Unruhe und Hektik. Wenn unsere Nahrung nachlässig zusammengestellt ist, bekommt sie uns nicht gut. Daran können sich Fehlversorgungen und Funktionsstörungen anschließen, die zunächst den Verdauungstrakt betreffen und dann auch das Ergebnis der Verstoffwechslung und Nutzung der Nahrungsinhalte in den Zellen, dem Gewebe und den Organen des Körpers einschließlich des anspruchsvollen Gehirns.

Essen in Muße steht gegen Essen in Eile und unter Zeitdruck. Bevor wir es uns antun, auch nur eine einzige Mahlzeit hastig zu schlingen, sollten wir diese Essgelegenheit verstreichen lassen und erst dann wieder essen, wenn wir das ausgeglichen und in Ruhe tun können. Ich spreche hier natürlich nur von den Menschen in unserer Überflussgesellschaft, für unterversorgte Menschen gilt das nur bedingt.

Die lebensklugen Völker Asiens unter kultureller Führung des großen China haben über Jahrtausende eine Esskultur entwickelt, die den Wert des Essens in Ruhe kennt und bewahrt. Traditionell setzt man sich zu festen Zeiten zu Tisch zusammen. Bei Tisch ist jedes Wort über Zank und Streit, über Geschäft oder Politik verpönt.Man achtet beim Essen darauf, dass jeder das mitbekommt, was für ihn gut ist. Dadurch, dass das Essen einer Meditation gleicht, isst jeder mit Bedacht und freut sich am guten Geschmack der Speisen ohne sich zu überessen. So steht man entspannt vom Tisch auf und sieht den weiteren Dingen des Tages freudig entgegen. Leider ist in den großen Städten dort diese wunderbare Kultur deutlich abgebröckelt. Im Gefolge der Anpassung an westliche Lebensweisen sieht man heute in den großen Metropolen Asiens  -im krassen Gegensatz zu früheren Zeiten – eine nicht geringe Zahl von Menschen mit beträchtlichem Übergewicht.

Die große Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt versündigt sich täglich an der eigenen Gesundheit und dem eigenen Wohlbefinden wie auch dem ihrer Kinder, indem sie sich vormachen, keine Zeit zum ruhigen Essen zu haben. Sie haben es sich angewöhnt, auch dann wenn gar kein echter Zeitmangel vorliegt, möglichst Zeit zu schinden, indem sie „auf die Schnelle“ etwas essen – dann natürlich nicht nur zu drei Hauptmahlzeiten sondern immer wieder auch zwischendurch. Sehr viele kochen fast gar nicht mehr, Fertiggerichte sind ja bequemer (wenn auch nie so geschmackvoll wie selbst gekocht). Dass Fertiggerichte im Interesse langer Konservierung mit allerlei künstlichen Stoffen, Aromen, Geschmacksverstärkern und viel zu viel Zucker, Salz und gehärteten Fetten versehen sind, weiß man zwar, geht aber darüber hinweg. Hauptsache man ist erst mal satt. Ohne dass ich an dieser Stelle auf die vielen bekannten Mängel dieser Ernährung im Einzelnen eingehen muss, kann ich angesichts des längst vorhandenen Wissens bei allen Betroffenen davon ausgehen, dass ihnen sogar bewusst ist, dass sie mit dieser Ernährung wirklich Schindluder mit dem eigenen Körper und dem eigenen Selbst treiben.

Kein Wunder, dass so viele Menschen ständig geplagt werden von gesundheitlichen Störungen wie Reflux, Verdauungsbeschwerden angefangen von nervösem Magen über Reizdarm, Durchfall und  Verstopfung, Neigung zu Diabetes 2 und Adipositas, innerer Unruhe, Nervosität, Schlafproblemen, Depression und Burnout, nicht zu vergessen eine Empfänglichkeit für Allergien und Unverträglichkeiten sowie einer leichten Entzündungs- und Erkältungsneigung.

Was tun?

Reduzieren Sie den Konsum von Pizza, Backwaren, handelsüblichen Obstsäften und  Softdrinks, setzen Sie lieber auf Obst (ganze Frucht oder selbst gemachtes Smoothie) und Gemüse (auch roh, sonst eher gedämpft als zerkocht). Diese wenigen Regeln lassen sich leicht Schritt für Schritt ins tägliche Leben überführen. Auch diese Umstellung sollte in aller Ruhe und Geduld vollzogen werden. Wir müssen ohne Angst vor dem Feind realisieren, dass sich unsere Geruchs- und Geschmackssinne leicht übertölpeln lassen. Statt mit Crashdiäten auf die eigenen Antriebe zu reagieren, tun wir gut daran, mit unseren inneren Kräften diplomatisch umzugehen.

Der richtige, ruhige Umgang mit dem Essen und Trinken ist leichter zu bewerkstelligen, wenn man sich auch sonst dahin orientiert, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Wir sollten lernen, richtig zu atmen, durch Meditation (autogenes Training) jederzeit innere Ruhe finden zu können und schließlich auf Zeiten von Stress und Hochleistung von Zeiten der körperlichen Entspannung folgen zu lassen. Dazu gehört als wichtiges, bisher kaum beachtetes Moment die Verdauungsruhe, die die unmitelbare Folge der Einhaltung größerer Essenspausen ist. Diese Ruhe der Verdauungsorgane führt auch zur zeitlich begrenzen relativen Ruhe der Billionen unserere Körperzellen, die diese Zeit dazu nutzen, sich von Schlacken zu befreien  – die Aphagie – und an unter Einwirkung des Wachstumshormons Somatotropin auch an die Reparatur ihrer Gene zu machen. Das ist ein Thema für sich, das ich bereits öfter aufgegriffen habe (s. Suchwort Essenspausen) und weiter vertiefen werde.

Ein Nachtrag: Der vorstehende Beitrag wurde hier veröffentlicht am Tag der Bundestagswahl 2017, dem 24.9.2017. Einen Tag danach gab die alte und wohl auch neue Kanzlerin, Angela Merkel, dem Thema eine neue Aktualität. Sie erklärte, dass für sie schon seit Jahren das Lebensmotto „In der Ruhe liegt die Kraft“ gilt. Auf die Frage, warum sie denn die Macht haben wolle, erklärte sie, sie wolle gestalten. In ihren bisherigen Amtszeiten hat sie nach meinem Eindruck aber selten Dinge voran getrieben. Ihr Ziel war es immer (nur), die Macht zu halten. Wir können ihr nur wünschen, dass sich das ändert.