Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

Im Dunkel des Magens: Magenrinne, Magenstraße und Pyloruskanal

Erstellt von r.ehlers am Mittwoch 15. August 2018

Durchsuchen Sie einmal das Internet nach der Anatomie des Magens – überall wird die Komplexität des menschlichen Magens hervorgehoben. Die anatomischen Haupttteile des Magens wie Mageneingang (Cardia), Magenkuppel (Fundus), Magenkorpus, Magenboden, Antrum (Pförtnervorraum) und Pförtner werden genannt, ebenso, dass der gesamte Magen von einer starken Muskulatur umhüllt ist. Auch fehlt nicht der Hinweis, dass der Magen links abseitig gewölbt ist und daher zur Körpermitte, nach links  hin,gekrümmt ist. Dass die durch diese Krümmung entstandene innere und äußere Kurvatur des Magens mit der Magenrinne, der Magenstraße und dem Pyloruskanal drei hochinteressante anatomische Besonderheiten aufweist, die physiologisch gesehen zwei getrennte Verdauungswege durch den Magen möglich machen, nehmen die Experten nicht zur Kenntnis.

Hier aber eine anschauliche Darstellung aus Wikipedia:

Makroskopischer Aufbau des Magens. (1) Korpus, (2) Fundus, (3) vordere Magenwand, (4) große Kurvatur, (5) kleine Kurvatur, (6) Kardia, (9) Sphincter pylori, (10) Antrum, (11) Canalis pyloricus, (12) Incisura angularis, (13) Magenrinne, (14) Schleimhautfalten (durch Fensterung)

 

In meinem Buch über das „Wohlfühlhiormon Serotonin“, Via Nova 2011/2014, S. 86 ff., habe ich auf diese Möglichkeiten aufmerksam gemacht. Da es in diesem Buch aber um endokrinologische Zusammenhänge ging, erreichte meine Information die Experten aus der Gastroenterologie nicht. Ich hatte allerdings schon im Jahre 2000 festgestellt, dass der Magen mit einer auf leeren Magen aufgenommenen kleinen Menge in Flüssigkeit verlöster fein vermahlenen Nahrung ganz anders umgeht als mit aller anderen Nahrung.Unübersehbar kam es dabei zu einer Übegehung des normalen Magenprogramms und einer alsbaldigen intensiven Beschääftigung des Dünndarms, die zentralnervös für die Herstelluung und/oder die Ausschüttung des Esskontrollhormons Serotonin sorgt.

Wenn man über eine Magensonde den Weg einer kleinen Menge flüssiger der Nahrung vom Mageneingang bis zum -ausgang verfolgt, sieht man, dass ein beträchtlicher Teil nach dem Eindringen in den Magen von der in der kleinen Kurvatur des Magens gelegenen Magenrinne aufgenommen wird, die in der obigen Abbildung deutlich hervorgehoben ist. Am unteren Ende der Magenrinne tropft die Nahrungsflüssigkeit im Bereich des sich öffnenden Antrums auf den Magenboden, der in Richtung des Antrums von den tiefen Rillen der der Magenstraße durchzogen ist. Was nicht in die Magenrinne gelangt, fällt in den Korpus des Magens. Dieser ähnelt indessen im leeren Zustand einem leeren Rucksack, der ja auch einen relativ festen inneren Rücken (inner Kurvatur) hat und dessen äußere Hülle von tiefen Falten (äußere Kurvatur) durchzogen ist. Erst nach einer gewissen Füllung dieses Sacks streckt sich die äußere Wand des Magens, wodurch u.a. die Drüsenzellen freigelgt werden, die die Salzsäure des Magens exprimieren. Ohne eine solche Magenfüllung bleibt das pH-Milieu des Magens eher basisch – schon wegen der 1 1/2 l Speichel, die täglich im Mund- und Rachenraum erzeugt werden. Vor der allmählichen Straffung des Magensacks läuft auf den leeren Magen aufgenommene verflüssigte Nahrung entlang der Magenfalten bis hinunter zum Magenboden. Dort treffen sie auf die Magenstraße, die eine Fortsetzung der Riefen des Magensacks darstellt. Im Bereich des Antrums geht der Hauptstrang der Magenstraße in den Pyloruskanal über, der sie an seinem Ende den beim Verzehr auf leeren Magen durch den völlig entspannten Magenpförtner in den Zwölffingerdarm hineinlaufen lässt.

Worin liegt aber die Bedeutung der schnellen Verdauung auf leeren Magen?

Diese extrem verkürzte Magenverdauung beim Verzehr von Nahrung auf leeren Magen macht die Versorgung des Menschen ein gutes Stück weniger abhängig von der spezifischen Füllung des Magens und der davon abhängigen durchschnittlich 4 Stunden und maximal 12 Stunden dauernden Verweildauer der Speisen im Magen. Ich schlage vor, dass wir diesen Sonderweg der verkürzten Magenverdauung nicht allein im Interesse der Hebung des Serotoninspiegels regeläßig nutzen.

Zu einem kleinen Teil nutzt der Körper diesen Weg ganz automatisch. Forscher haben beobachtet, dass auch beim gefüllten Magen die Situation entstehen kann, dass sich fein verflüssigte Nahrung am großen Rest des Magenbreis (Chymus) vorbeischlängeln und den Magenpförtner durchlaufen können. Dies wird allerdings nur im Zusamenhang mit der rhythmischen Ausstoßung des im übrigen komplett im Magen verarbeiteten Chymus geschehen.

Die gezielte schnelle Verdauung auf leeren Magen tritt nur ein, wenn ihre Voraussetzungen bedacht werden. Wie gesagt, eignet sie sich nur für den Transport einer kleinen Menge gut in Flüssigkeit verlöster fein gemahlener Nahrung. Wird diese Menge von 0,1 – 0,2 l überschritten, macht der Magenpförtner „dicht.“ Im Buch über das Serotonin habe ich den Witz weiter getragen, den mir mein Autorenkollege Jörg Müllenmeister dazu erzählte. Dabei ging es um die Frage seiner Kadetten an Oberst Zitztwitz, wie viele Brötchen er wohl auf leeren Magen verputzen könne. Er dachte so an 3 – 4, wurde aber kottigiert, dass der Magen schon nach einem Brötchen nicht mehr leer ist. Der schnelle Transport von Nahrung beim Essen auf leeren Magen tritt bei der Aufnahme einer nicht winzig kleinen Mahlzeit eben nur für die Nahrungsmenge ein, die nicht zum Dichtschluss des Magenpförtners führt. Dieses Wissen lädt gerade dazu ein, jedes Essen auf leeren Magen mit besonders wertvoller Nahrung zu beginnen – insbesondere mit ein wenig Rohkost zu beginnen.

Unsere offizielle Ernährungsberatung redet als Spätfolge des Streits der Koryphäen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) mit den Vertretern der Rohkostlehre wie auch der Gießener Schule(Prof. Leitzmann) ungern von Rohkost. In gesondertem Beitrag werde ich noch einmal zusammenfassen, dass die regelmäßige Aufnahme eines Teils an Rohkost einfach lebensniotwendig ist – und zwar wegen der empfindlichen Nahrungenzyme und der noch kritischeren Schwefelverbindungen.