Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

Roh oder gekocht essen? Alter Streit aktuell wie nie.

Erstellt von r.ehlers am Sonntag 8. April 2012

Den überzeugten Verfechtern der Rohkost, die in ihr die einzige Rettung für uns Menschen sehen, stehen reihenweise Forscher gegenüber, die der Rohkost jeden Wert absprechen. Die Frage „roh oder gekocht“ ist, wie Sie gleich sehen werden, nicht irgendein Ernährungsthema.

-de.wikipedia.org-

 

Es ist unabhängig von der Frage, welches Thema gerade „in“ ist, das zentrale Thema, dessen richtige Beantwortung unsere Lebensqualität bestimmt. Aber sehen Sie selbst.

Rohkosttradition in Europa

Die Lehre vom großen Wert der reinen Rohkost hat in Europa eine lange Tradition. Bekannte Namen sind, z.B., Bircher, Konz, Wandmaker, Bircher-Benner, Sommer, Drebber, Hahn, Greither, Schnitzer, Müller-Burzler, Burger und Stocker. Von der orthodoxen Medizin wurden und werden reine Rohkostler immer für verbohrte halbe Irre erklärt. Auch alternative Mediziner wie Dahlke haben sich abschätzig darüber geäußert.
Untereinander sind sich die Rohkostler nie eins gewesen. Dabei verbindet sie die sichere Erkenntnis, dass viele Vitamine, Spurenelemente und vor allem die Nahrungsenzyme durch die Hitze beim Kochen, Braten und Backen beschädigt oder inaktiviert werden. Unverhältnismäßig viele eingefleischte Rohkostler sind sehr alt geworden. Der aus Genua stammende Amerikaner Norman Walker, dem man lange ein Alter von 116 Jahren zugesprochen hatte, soll angeblich doch “nur” 99 Jahre alt geworden sein. Immerhin. Bruker wurde 92, Tilden 90, Jackson 84, der Nobelpreisträger Linus Pauling 93, Bircher 90 und Walter Sommer 99. Beweisen tut das natürlich nichts.

Neue Rohkostwelle aus den USA

Eine ganze Riege bekannter Hollywood-Darsteller wie unter anderem Madonna, Mel Gibson, Demi Moore, Charlize Theron und Helen Hunt sind prominente Anhänger von „Raw Food“, des neuen Ernährungs- und Lifestyle-Trends in den USA, der angeblich für die angeblich frische Ausstrahlung der Stars sorgt. Moderne Raw-Food-Anhänger erhitzen ihre Pflanzenkost bis maximal 48° C, um die Inhaltsstoffe nicht maßgeblich zu zerstören. Die Einhaltung von 48 ° Celsius macht Sinn, denn erst eine längere Aussetzung der Nahrung oberhalb dieses Werts denaturiert in großer Zahl die Proteine und inaktiviert alle Nahrungsenzyme. Mit 55 ° C sind sie alle wertlos. Das ist ja schon einmal ein rationaler Ansatzpunkt, den man nicht einfach beiseite wischen kann.

Auch Rohkost-Restaurants werden immer beliebter. Erste dieser Art in Deutschland sind das “Saf” in München (”simple authentic food”) und das “Zerwirk” in der Ledererstraße. Auch dort wird nicht heißer als 48 Grad “gekocht”. “Saf”-Restaurants gibt es inzwischen auch in Istanbul, London und im schweizerischen Opfikon. Was nicht kalt gegessen wird, wird in Heißluftöfen dehydriert. Der ganze Vorgang dauert zwar länger, aber ist für die Lebensmittel viel schonender. Und man kann sogar Brot damit backen, ähnlich wie das beim sog. Essener-Brot und beim sog. Lawatsch-Brot schon lange bekannt ist. Dabei wird der Teig dünn ausgerollt, auf einem Blech in den Ofen geschoben und raus kommen längliche gebackene Streifen. In den U.S.A. haben Rohkostpäpste wie David Sandoval („The Green Food Bible“) schon wöchentlich ihre Radioshows allein für die Propagierung des Rohkostgedankens.

Slow Food

Nicht zu verwechseln ist Raw Food mit Slow Food. Diese Bewegung kam trotz des englischen Namens nicht über den Großen Teich, sondern aus Italien zu uns. Slow Food steht auch gegen Fast Food und ist kein Gegner roher Nahrung, fördert aber eine gediegene Nahrungsauswahl und gute Zubereitung von roher wie auch gekochter Nahrung.

Wertstoffverluste durch die Hitzebehandlung

Je höher die Temperatur, aber je stärker auch die Intensität und je größer der Zeitaufwand der Verarbeitung sind, umso größer sind die Nähr- und Vitalstoffverluste der Nahrungsmittel. Nach den objektiven Angaben des im Netz nachzulesenden „Vitalstoff-Lexikons“ nimmt der Gehalt der essentiellen Antioxidantien (bspw. Vitamin A, E und Beta-Karotin und der ursprünglichen Pflanzenöle) durch die Erhitzung ab. Ihre Aufgabe ist es bekanntlich, unseren Körper und die in seinen Zellen gefangenen Verbrennungskammern (Mitochondrien) vor aggressiven Sauerstoffverbindungen – den freien Radikalen – zu schützen. Wird ihre Anzahl jedoch stark vermindert, kann der Oxidation nicht ausreichend entgegengewirkt werden und es kommt zur Bildung von giftigen Stoffen, so genannten Peroxiden. Diese wirken sich dann auch noch störend auf den Hormonhaushalt und die Enzymfunktionen sowie auf den Fett- und Proteinstoffwechsel aus. Hitzelabile Vitamine wie Vitamin C, A, B2 und B6 werden zusätzlich zerstört. Überhitzte Fette steigern somit den Bedarf an ungesättigten Fettsäuren und auch an Vitamin E, da dieses durch den Luftsauerstoff zerstört werden kann. Ein Mangel an Vitamin E verstärkt die toxische Wirkung der Oxidation – die Gefahr einer Arteriosklerose-Entwicklung und einer Krebserkrankung nimmt zu.
Ein typischer Vorgang der Erhitzung von Nahrung ist die Sterilisation der Milch. Diese wird für 20 bis 45 Minuten auf 109 bis 115°C gebracht. Dabei gehen 20 bis 50 Prozent an Vitamin B1, 20 bis 50 Prozent an Vitamin B6, 20 bis 100 Prozent an Vitamin B 12 und 30 bis 50 Prozent an Folsäure (Vitamin B8) verloren! Daneben bleibt das Vitamin C nur zu 10 bis 70 Prozent, Pantothensäure (Vitamin B5) zu 15 bis 70 Prozent und das Vitamin B 2 nur zu 30 bis 50 Prozent erhalten. Dabei misst man die Werte vor dem Verzehr ohne Rücksicht darauf, ob sie auch metabolisiert werden können. Dazu kommen die Schäden durch die Denaturierung der Proteine, die nicht von den Enzymen „erkannt“ und gespalten werden können, wodurch mengenweise in den Proteinkörpern enthaltene Vitamine und Nahrungsenzyme gefangen bleiben. Man darf eben nicht allein zählen, welche Mengen an Inhaltsstoffen auf den Essteller kommen. Man muss sich auch darum bekümmern, dass sie verstoffwechselt werden können.

Stimmt es, dass Kochen besser ist, weil es die Nahrung erst aufschließt?

Besondere Freunde gekochter Nahrung wie der amerikanische Autor Wrangham räumen zwar ein, dass teilweise Vitamine und Spurenelemente beim Kochen, Backen und Braten der Nahrung zerstört werden. Sie verbreiten aber recht erfolgreich beim interessierten Publikum bis hin zu Ernährungsexperten die Meinung, dass in sehr vielen Fällen durch das Kochen erst die Vitalstoffe verfügbar würden. Um dies zu belegen, bedient man sich recht unausgegorener Vergleiche.
Da wird, z.B., veröffentlicht, dass Forscher der Cornell University in Ithaca zu dem Ergebnis gekommen seien, dass durch besonders langes Kochen der Tomaten mehr Lycopine (Carotinoide/ Radikalenfänger) frei gesetzt würden als beim kurzen Dünsten. Bei ihren Untersuchungen hätten sie die Tomaten bei 88° C mal 2, mal 15 und mal 30 Minuten lang erhitzt. Dabei sei der Vitamin C-Gehalt mit der Erhöhung der Temperatur zwar gesunken, der Lycopin-Gehalt sei aber um 54 bzw. 164 Prozent angestiegen. Der Information schließt sich der Rat an, Tomaten nicht immer nur roh zu genießen, z. B. als Tomaten-Mozarella-Salat, sondern auch mal gekocht in Form von Tomatensoße oder Ketchup. Ähnlich klingt das auch bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung:
“Das Dämpfen oder Garen von Gemüsen ist manchmal sogar der beste Weg, um wertvolle Pflanzeninhaltsstoffe optimal aufschließen zu können. Das Betacarotin in den Karotten oder das Lycopin der Tomaten ist für unseren Organismus besser verfügbar, wenn diese Gemüse gekocht werden. Gekochtes Gemüse ist zudem leichter verdaulich, weil beim Kochen die Nahrungsfasern etwas elastischer werden.”
Der Hinweis auf die Lockerung der Nahrungsfasern macht deutlich, dass bei diesen Vergleichen ganz unberücksichtigt geblieben ist, wie die Inhaltsstoffe der rohen Tomaten dann verfügbar sind, wenn man sie nicht nur im Munde zerquetscht und hinunterschlingt, sondern sie ganz gründlich im Munde zerkleinert, sodass die Zellulosepanzer der Pflanzenzellen vollständig zerstört werden oder wenn die Gemüse zuvor getrocknet und maschinell pulverfein gemahlen werden. Bei Möhren heißt es immer wieder, dass die Beta-Carotin-Ausbeute viel besser sei, wenn das Gemüse in etwas Öl gedünstet werde. Denn Hitze und Fett griffen die widerspenstigen Zellulose-Moleküle an. Der Körper könne die Stoffe dann besser aufnehmen.
Diese Äußerungen zeigen, dass das Problem zwar im Kern erkannt, aber leider nicht zu Ende gedacht ist. Denn volle Zerkleinerung, wie es durch das vollständige Zermahlen mit unseren starken Mahlzähnen in Kombination mit reichlicher Verflüssigung durch Speichel oder andere Flüssigkeiten erfolgt, schließt alles an Lycopin, Beta-Carotin und Vitamin C auf, was überhaupt in den Pflanzen steckt. Erfreulicher Weise wird nicht noch die Auffassung vertreten, dass das Kochen sogar neue Wertstoffe aufbaue. Aber so viel ist klar: Abbeißen und Schlingen roher Kost ist dem Kochen unterlegen. Aber darum geht es hier ja auch gar nicht.

Die Frage der grundlegenden Verträglichkeit der Rohkost

Sicher ist also, dass Rohkost, aber nur wenn sie komplett vermahlen in den Körper kommt, der hitzebehandelten Nahrung wegen des erhöhten Gehalts an Mikronährstoffen weit überlegen ist. Es gibt aber auch keinen Zweifel, dass gekochte Nahrung nicht einfach wertlos ist. Sie lässt sich so geschmackvoll zubereiten, dass es eine Schande wäre, wenn man ganz darauf verzichten müsste. Schließlich bringt sie auch Energieträger mit sich, die wir bequem verwerten können.

Nur noch roh essen ist die falsche Alternative.

Die Frage “roh oder gekocht” richtet sich aber nicht nur auf die Alternative beider Essweisen, sondern will im Zweifel auch beantwortet wissen, wie viel man vom Einen oder vom Anderen zu sich nehmen soll. Also geht roh überhaupt und wie viel Prozent roh darf oder soll es denn sein?
Da gibt es die krasse Alternative, nur noch roh zu essen, wie es die genannten Rohkostpäpste wirklich fordern. Reine Rohkosternährung kann aber theoretisch zu Mangelerscheinungen führen, weil nicht alle Pflanzen alle wichtigen Vitalstoffe mitbringen. Eine bewusst abwechslungsreiche Nahrungsauswahl hilft da schon sehr. Wenn ein Rohkostler allerdings seine Nahrung gut auswählt, sie mit den Zähnen bis auf die letzte Faser zerkaut oder sie gleich schonend getrocknet und hochfein vermahlen zu sich nimmt, hat er mit Sicherheit immer alle bekannten Nähr- und Vitalstoffe im Körper, die wir überhaupt kennen. Selbst oft knappe Vitalstoffe wie Folsäure (Vitamin B8) und Vitamin B 12 sind gut zu versorgen, wenn man sich auskennt. So jemand wird auch wegen seiner Rohkostvorliebe nicht wie viel gescholten unnötig abnehmen oder übergewichtig werden. Er wird vielmehr durch die vollständige Ausnutzung seiner rohen Nahrung viel schneller satt und bekommt weit mehr an Vitalstoffen mit als durch größere Mengen schlecht ausnutzbarer gekochter Nahrung. Seine Verdauung geht schneller von Statten. Er wird durch seine Verdauung auch nicht so belastet wie die sich „normal“ ernährenden Menschen. Für den, der sich mit dem Essen so viel Mühe macht, gilt, dass er viel besser dran ist als alle anderen – vorausgesetzt natürlich, dass er die rohe Kost auch verträgt.
Die meisten Rohkostler, die nicht so konsequent sind, sind im Zweifel aber viel schlechter dran als die Menschen, die gemischte Kost vorziehen. Für alle, die sich gar keine Zeit zum Kauen nehmen und von nativer Kost nichts wissen, ist die Beschränkung auf reine Rohkost außerordentlich schädlich, weil sie von der nur angebissenen und schnell verschlungenen Rohkost viel weniger Vorteile haben als vergleichsweise von hitzebehandelter Nahrung. Darüber hinaus gibt es aber noch die ganz grundlegende Frage nach der allgemeinen Verträglichkeit von Rohkost, auch nativer Kost, wegen der in ihr zwangsläufig enthaltenen pflanzlichen Giftstoffe.

Rohkost – gesund oder gefährlich?

Es gibt eine ganze Reihe anderer Gründe, wegen der für viele Menschen rohe Pflanzenkost eher gefährlich als gesund sein kann, zumindest was die Menge angeht. Es geht nicht um die bekannten Giftpilze wie die Fliegenpilze und Knollenblätterpilze, die Tollkirsche, das Mutterkorn und alle Teile der Eibe. Auch allgemein übliche pflanzliche Nährstoffe wie besonders Getreidesamen beinhalten Fraßgifte, mit denen sie sich gegen ihre Fressfeinde zu Wehr setzen. Die schlimmsten Fressfeinde der Pflanzen sind wir Menschen. Wir verfüttern sogar Pflanzen an Tiere um diese dann zu essen. In Spanien habe ich „vegetarische Hähnchen“ kennengelernt, die keinerlei tierische Nahrung bekommen hatten – herkömmliche „Broiler“ können da geschmacklich in keiner Weise mithalten. Aber natürlich ist die Benennung solcher Hähnchen ein Scherz. Es heißt ja nicht vegetarisch zu essen, wenn man nur vegetarisch lebende Tiere verzehrt. Immerhin steht man dann nicht ganz so weit hinten am Ende der Nahrungskette wie wenn man landlebende Raubtiere, Allesfresser wie die Schweine oder Raubfische isst.

Gluten (Klebereiweiß) und Phytinsäure

Bekanntestes Problem bei der Verträglichkeit von Getreidesamen ist das Klebereiweiß (Gluten). Die Hälfte der Bevölkerung soll von der Glutenunverträglichkeit betroffen sein. Aber auch unabhängig davon können die meisten Menschen nur eine sehr kleine Menge an rohen Pflanzensamen in einer Mahlzeit vertragen (und schwören dennoch auf ihr morgendliches Müsli). Der Grund dafür liegt in der Wirkung der in jeder rohen Pflanzennahrung enthaltenen Phytinsäure, die gerade den vielen Menschen mit gestörter Darmfunktion Probleme bereitet. Aus der Phytinsäure entwickelt sich im Verdauungskanal der Stoff Phytat, der sogar für jedermann nur in kleinen Mengen unbedenklich ist. Phytat bindet auf unlösliche Weise wichtige Mineralstoffe aus der Nahrung, insbesondere das u.a. für den Aufbau des Schlüsselhormons Serotonin unverzichtbare Mineral Zink.

Fruktose (Fruchtzucker)

Beim Verzehr von Rohkost ist auch die Bekömmlichkeit von Fruchtzucker zu beachten. Der allgemein bekannte gute Rat der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DEG), fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen, der mit einer soliden Hygiene des Verdauungstrakts (Essenspausen) nicht vereinbar ist, bedarf auch aus einem anderen Grunde dringend einer Überprüfung, zumindest der Präzisierung. Obst hat außer Bananen (ca. 1,5 %) wenig an Eiweißen, die aber in Samen, Kräutern, Salaten und Gemüsen wieder ausreichend enthalten sind. Schon deshalb sollte der Schwerpunkt roher Kost nicht beim Obst liegen. Der bekannte Umweltmediziner Runow („Wenn Gifte auf die Nerven gehen“) macht ganz eindeutig klar, dass fünfmal Obst am Tag nachgerade kontraproduktiv ist. Nach seinen Recherchen haben 50 Prozent (!) aller Erwachsenen große Probleme mit der Verdauung des Fruchtzuckers, was den meisten aber nicht einmal bekannt ist. Als Maximum können sie täglich 25 Gramm Fruktose absorbieren. Wird der Wert überstiegen, entwickeln sie das weit verbreitete Reizdarmsyndrom mit Schmerzen im Unterbauch, Blähungen, Bauchkrämpfen und wechselnden Durchfällen und Verstopfung, ohne auch nur zu ahnen, dass sie sich den Schaden durch ihre Liebe zum “gesunden” Obst selber antun. Wer also sein persönliches Risikoprofil noch nicht kennt, soll besser nicht wahllos beim Obst zuschlagen! Es hat doch sowieso nicht die „Bausteine des Lebens“, die alles entscheidenden Proteine. Wer hat nicht schon in seiner Kindheit die schmerzhaften Darmprobleme erlebt, wenn er beim Obstpflücken zu heftig selbst zugelangt hat! Damals schob man diese nachteiligen Wirkungen dem nachträglichen Trinken von Flüssigkeiten zu – zu Unrecht!

Runow zitiert aus einem Bericht der renommierten Fachzeitung “Medical Tribune” aus 1/2008 mit dem eindeutigen Titel: “Reizdarmsymptome durch gesundes Essen. Beim dritten Apfel rebelliert der Bauch“:
” Ein einziger Apfel bringt mit durchschnittlich 11,5 Gramm Fruktose nämlich schon knapp die Hälfte der Fruktosemenge in den Körper, die auf keinen Fall überschritten werden darf. Es ist übrigens davon auszugehen, dass eine Erhitzung des Fruchtzuckers wesentlich zu einer Entschärfung des Problems beiträgt, weil die Fruktose beim Erhitzen eine rote Färbung annimmt (Seliwanowsche Reaktion), was die Oxidation nachweist, die in einer Umwandlung in die harmlose Glukose begründet ist.“

Es drohen weitere schwere Darmstörungen verschiedenster Art von Bauchkrämpfen bis zur Beschädigung der Darmbarriere (”Leaky Gut Syndrom”). Daher heißt es zu Recht, dass der Darm bei Betroffenen schon beim dritten rohen Apfel rebelliert.
Saponine

Dosisabhängige Probleme gibt es auch bei den in vielen Pflanzen vorkommenden Saponinen. Das sind pflanzliche Fraßgifte, die die Magen- und Darmschleimhaut reizen. Sie vermitteln aber in geringer Dosierung große gesundheitliche Vorteile, besonders weil sie schleimlösend und harntreibend sind, und weil sie die Aufnahme anderer pflanzlicher Wirkstoffe entscheidend verbessern können.
Auch bei der Fruktoseunverträglichkeit spricht man davon, dass die halbe Bevölkerung betroffen ist. Wenn nicht einige Menschen von Glutenunverträglichkeit und den Problemen mit der Aufnahme von Fruktose doppelt getroffen wären, litte doch tatsächlich die ganze Bevölkerung an der einen oder anderen solchen Beeinträchtigung! Erschreckend viele Menschen schlucken ihr Leben lang Pillen, um entweder die Verdauung anzuregen oder eine zu flotte Verdauung zu bremsen. Der ewige Kampf mit der Metabolisierung ihrer Nahrung raubt ihnen einen großen Teil der möglichen Freude im Leben.
Ganz sicher stecken wir mitten in einer evolutionären Änderung von den fast reinen Pflanzenfressern, die unsere tierischen Vorläufer waren. Wir haben zwar evolutionär (noch) keine vollwertige physiologische Anpassung an unsere selbst gewählte hitzebehandelte und tierische Nahrung gefunden. Wir haben uns aber so an sie gewöhnt, dass unserem Organismus ohne Umgewöhnung die Rückkehr zu unserer eigentlich artgerechten rohen Nahrung fremd erscheint und er sich gelegentlich sogar kräftig dagegen wehrt. Wir können leider nicht feststellen, dass wir heutigen Menschen uns an das Wort des Evangelisten Markus halten könnten, dass wir nur leben müssten wie die Vögel auf dem Felde und der Herr im Himmel ernähre uns auch ohne besondere Sorge um die richtige Ernährung. Wir sind teilweise der Rohkost fast entwöhnt, brauchen sie aber in Teilen dringend wegen ihres großen Vitalstoffreichtums und wegen der besonderen Funktionszusammenhänge, die von ihrer Nutzung abhängig sind.

Wirkungen auf die Serotoninsynthese

Grunow stützt übrigens indirekt meine eigenen Forschungen über die Zurverfügungstellung des zerebralen Schlüsselhormons Serotonin durch die richtige Ernährung. Er schreibt wörtlich:
“Es wird berichtet, dass bei Störungen der Fruchtzuckeraufnahme im Darm – bedingt durch einen Mangel des Transportproteins GLUTS – auch die essenzielle Aminosäure L-Tryptophan schlechter aufgenommen wird und in der Folge die Bildung des Gehirnbotenstoffs Serotonin sinkt. Hierdurch kann es zu Depressionen und ständigem Heißhunger auf Süßes kommen. Im Blut sinken die Folsäure und Zinkwerte. Auch der Vitamin-C-Spiegel sollte überprüft werden.”

Aus den mir vorgelegten endlosen Rückmeldungen von Nutzern nativer Pflanzenkost kann ich bestätigen, dass tatsächlich die meisten Menschen nur eine sehr kleine Menge an roher Pflanzenkost in einer Mahlzeit vertragen können. Schon die kleine Menge von 8,5 – 10 Gramm getrockneter roher Pflanzenmehle – ein Esslöffel – überfordert einige Menschen erheblich. Sie können nur schrittweise an solche Kost herangeführt werden.

Die Entscheidung für ein wenig rohe Kost neben der „normalen“ gekochten

Die Frage, ob man entweder roh oder gekocht essen soll, ist damit beantwortet:

• Es gibt kein “entweder – oder” bei Rohkost und gekochter Nahrung. Die Frage nach dieser Alternative ist falsch.
• Zumindest in kleiner Menge braucht eine gesunde Ernährung jeden Tag ein Stück richtig vorab auf mechanische Weise gründlich in ihren Zellen aufgebrochener oder im Mund ganz gründlich zerkauter Rohkost. Nur rohe Kost hat nicht denaturierte Proteine, deren Inhalt an Vitalstoffen für uns lebenserhaltend ist. Nur rohe Kost hat auch die zur Verstoffwechslung dringend benötigten Nahrungsenzyme. Zudem ist die fein gemahlene Rohkost beim Verzehr auf leeren Magen der unverzichtbare Auslöser für die körpereigene Synthese des Wohlfühlhormons Serotonin.
• Gekochte Kost ist für sich genommen absolut nicht wertlos. Sie erweitert vielmehr durch die Neutralisierung von Giftstoffen und Verunreinigungen den Rahmen der genießbaren Nahrung und sichert die ausreichende Energieversorgung. Die Vorstellung, dass wir dadurch besonders viele verwertbare Eiweiße aufnähmen, ist indes ein Märchen. Sehen Sie sich nur die mächtigen Gorillas an, deren Kost zu 99 % pflanzlich ist!
• Fein vermahlene rohe Kost wird wegen der Vergrößerung der Nahrungsmitteloberfläche viel gründlicher ausgenutzt als hitzebehandelte Nahrung. Schon mit wenig solcher roher pflanzlicher Kost lassen sich sehr viel mehr Menschen komplett gesund ernähren als mit gekochter Nahrung.

Man kann ohne großen Schaden native Kost mit anderer Nahrung mischen, muss aber wissen, dass man dann die wertvolle native Kost mit dem gesamten Nahrungsbrei zusammen lange im Magen behält und ihr ihren besonderen Wert raubt. Die richtige Mischung ist die, immer erst native Kost auf den leeren Magen zu essen und dann andere, die lange im Magen liegen bleibt, oder gleich bei einer Mahlzeit nur native Kost zu essen und bei der nächsten was immer man will. Nimmt man dagegen in einer wirklich nur kleinen Menge an Nahrung native und gekochte Nahrung zu sich und bringt alles mit ausreichender Menge an Flüssigkeit herunter, waschen die Flüssigkeiten die fein vermahlene native Kost als Erstes aus und lassen sie den Magenpförtner passieren, noch bevor die Drüsen der Magenschleimhaut mit der Produktion der Magensäure begonnen haben.

Fazit

Am Ende vieler Überlegungen steht ein einfacher Rat: Essen Sie immer wieder mal rohe Pflanzenkost auf leeren Magen, soweit Sie sie vertragen – aber natürlich muss sie in ihren Zellen mechanisch voll aufgebrochen sein, wenn sie den Magen durchlaufen und im Dünndarm verstoffwechselt wird. Das ist nicht nur ein Rat von vielen. Das ändert bereits alles. Ansonsten dürfen und sollten Sie essen was Ihnen Freude macht.

Unsere Lebensmittel versorgen uns mit Stoffen, die uns am Laufen halten. Wenn man der Werbung von allen Seiten glauben will, kommt es immer nur darauf an, von allen wichtigen Stoffen möglichst viel in den Körper zu bekommen. Dabei bietet uns die Natur, insbesondere mit der pflanzlichen Nahrung einen Cocktail an allen nur denkbaren Wertstoffen an, wenn wir nur auf ein wenig Abwechslungsreichtum achten. Das macht absolut keine Mühe.

Aber auch wenn wir alles auf den Teller kriegen, was wir je benötigen, gehen wir an unserer Nahrung zugrunde, wenn wir nicht verstehen, wie unser Gastrointestinaltrakt mit der Nahrung umgeht, sie aufschließt und dafür sorgt, dass diese Mikronährstoffe in der Folge die vielen Funktionen im Körper erfüllen, die für uns lebensnotwendig sind.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Ernährungslehre – weg von der krampfhaften Suche nach immer tolleren Inhaltsstoffen, weil dort gar nicht das große Problem liegt, hin zu der richtigen Essweise, die
die Ausnzutzung unserer Nahrung bedingt. In diesen Kontext gehört die Erkenntnis, dasswir nicht gesund bleiben können, wenn wir nicht regelmäßig a u c h immer wieder mal nach längerer Essenspause die Nahrungsaufnahme mit ein wenig roher Pflanzenkost beginnen, die wir entsweder wirklich radikal mit unseren Mahlzähnen verkleinern müssen oder die wir vorher machnisch entspreuchend verkleinert haben.

Das Schöne an dieser einleuchtenden Lösung ist, dass sie von jedermann von jetzt auf gleich umgesetzt werden kann und er dadurch ganz sicher seine Chamncen auf ein langes gesundes Leben in guter mentaler Verfassung erheblich verbessert.