Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

„Lange Nüchternphase“ vor dem Verzehr nativer Kost

Erstellt von r.ehlers am Dienstag 4. November 2014

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: … [mailto…e]
Gesendet: Dienstag, 4. November 2014 11:49
An: Rolf Ehlers
Betreff: Frage

Sehr geehrter Herr Ehlers,

bezüglich des Aminas Konzepts habe ich eine Frage, die ich auf Ihren Seiten so nicht beantwortet fand: Sie schreiben, dass das Essentielle der Aminas Methode ist, dass deren Einnahme eine längere Nüchternphase vorausgehen soll, dass es aber kein Problem sei im Anschluß daran etwas zu essen auch ohne 30 Minuten zu warten, weil ja feste Nahrung eh eine Weile im Magen verbringe.

Nun meine zwei Fragen: wie lang sollte die Nüchternphase sein, denn es machte ja evl. auch Sinn nicht nur nach dem Aufstehen, sondern ggf. auch nochmal während des Tages etwas Aminas zu verzehren?

Und: wie sieht es mit Flüssigkeiten aus. Konkret: ich kann mir durchaus vorstellen morgens als erstes Aminas zu nehmen (da ich eh nie frühstücke). Aber ich brauche morgens einen Kaffe mit Hafermilch (lebe vegan).

Ich habe aber wegen meines frühen Arbeitsbeginns keine Zeit nach Aminas Einanhme nochmal 30 Minuten mit Kaffetrinken zu warten.

Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!

Mit freundlichen Grüßen,

 

Warum auch nicht direkt nach der nativen Kost?!

Meine Antwort:

Sehr geehrte Frau …,

ich danke für Ihre verständlichen und guten Fragen. Die Abläufe der Nahrungsverwertung, die wir bewusst gar nicht mitbekommen, sind wirklich unerhört kompliziert. Es lohnt sich, darüber genau Bescheid zu wissen. Weil kleine Unterscheide in der Essweise schon einen großen Unterscheid machen können, kommt es wirklich sehr aufs Detail an.

Ich propagiere nicht die Einhaltung einer „längeren Nüchternphase“ vor dem Verzehr nativer Kost, sondern eine Essenspause, an deren Ende der Magen komplett entleert wie ein schlaffer Schlauch da liegt. Der Widersacher, den es im Auge zu halten gibt, ist der Magenpförtner, der sofort durch die Dehnung seiner  Kanüle verlaufenden Muskeln (Dehnsphinkter) für alle im Magen befindliche Nahrung „dicht macht“ ,wenn

– der Magenbrei (Chymus) nicht auf eine Partikelgröße von unter 3 mm zerkleinert ist,

– der Mageninhalt starke Fettanteile hat,

– er nicht gut verflüssigt ist oder

– eine relativ große Menge an Nahrung auf einmal in den Magen kommt.

Relativ große Menge ist schon mehr als 3 Esslöffel voll!

Natürlich fragen Sie, wann denn der Magen leer ist. Darauf kann ich nur sagen: Das kommt darauf an!

Über Nacht wird praktisch immer der Magen leer, weil es kaum Speisen gibt, die länger als 7 – 8 Stunden im Magen bearbeitet werden. Dennoch bietet es sich an, abends nicht mehr schwer und besonders nicht zu fett zu essen. Ölsardinen beispielsreiche pflegen sich bis zu 12 Stunden im Magen aufzuhalten! Bei einem fetten Kotelett sind es aber auch an die 8 Stunden. Kartoffeln und Gemüse für sich genommen finden den Weg in den Dünndarm aber schon nach ca. 2 Stunden. Nicht ausreichend mit den Zähnen zerkleinerte Rohkost dagegen bleibt endlos im Magen liegen, weil unserer Verdauungssäfte sie nicht klein kriegen. Eine Daumenregel ist, dass meist 5 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme der Magen wieder frei ist. Zwischenmahlzeiten werfen die Rechnung allerdings vollständig durcheinander.

Isst man zwischendurch auf den noch nicht leeren Magen, ist das so wie wenn man beim Computer auf den Reset-Knopf drücken würde. Es ist nicht so wie bei der Waschmaschine, die nach dem Aus- und Wiedereinschaltgen genau da weiter macht, wo sie früher im Programmablauf stand. Kommt neue Nahrung in den Magen, beginnt sein gesamtes Programmwieder  von vorne an zu laufen. Die Magenwände sind geweitet und geben Salzsäure ab, die erst im Verlaufe etwa einer halben Stunde in einem Umfang neutralisiert ist, dass der Magenbrei im basischen Dünndarm keine Schäden mehr anrichten kann. Aber der Magenbrei kommt ohnehin nur in kleinsten Portiönchen in den Dünndarm. Dies bewirkt das eigentliche Magenprogramm, das in Abständen von genau 3 Minuten in einer Sequenz von genau 20 Sekunden einen Teil von ce.5 % des im Magen schwimmenden Chymus durch den Magenpförtner in den Dünndarm (Zwölffingerdarm) spritzt und den Rest wieder zurück in die Magenmitte.

Natürlich kann man auch tagsüber einen leeren Magen haben und native Kost mit voller Aussicht auf den Erfolg der Serotoninsynthese verzehren. Es ist ja sowieso für den Körper viel besser, den Verdauungsapparat mallänger ruhen zu lassen – auch für die geistige Leistungsfähigkeit.

Nach dem Verzehr von Aminas kann man unbedenklich essen was man will, weil es ja doch erst im Magen liegen bleibt und die laufende Verstoffwechslung im Dünndarm nicht stört. Manche raten dazu, wenigsten 15 Minuten zu warten, aber eine richtige Begründung dafür hat niemand. Ganz sicher sollte eine Tasse Kaffee mit Milch oder ohne nicht schaden, selbst wenn sie schnell in den Darm laufen sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Ehlers