Richtig Essen

GfE- Gesellschaft für richtiges Essen und Lebensgestaltung e.V.

Flohsamen (Psyllium) in nativer Kost

Erstellt von r.ehlers am Freitag 11. Dezember 2015

In meinem Beitrag über Hilfen bei der Darmerkrankung Morbus Crohn habe ich angekündigt, über den Wert von Flohsamen als Teil der nativen Nahrung zu berichten, der als nutritive Intervention bei der Prävention und Heilung dieser Krankheit und als orthomolekulare medizinische Maßnahme sehr viel Sinn macht. Hier ist der Bericht:

Flohsamen (auch Flosamen) haben mit Flöhen nichts zu tun. Die nur gut 2 mm großen eiförmigen Samen des Wegerichgewächses Planatgo ovata sehen aber fast so aus wie  Flöhe. Daher der Name. Die Schalen der Flohsamen, erst recht wenn diese noch gemahlen sind, werden besonders gern zur Erzielung besonderer Wirkungen eingesetzt. Wenn man weniger die nutritiven Werte als die besonderen medizinischen Wirkungen des Verzehrs von Flohsamenschalen betonen will, verwendet man gern den lateinischen Namen Psyllium (oder Psylliumschalen).

Plantago ovata var. fastigiata-de.wikipedia.org-

Plantago ovata var. fastigiata

Den seit Tausenden von Jahren als heilsam bekannten gut essbaren Flohsamen gibt es in einigen Variationen in allen subtropisch trockenen Regionen der Erde mit Schwerpunkten vom Mittelmeerraum über Arabien bis nach Indien.

Am Rande bemerkt:

Verwandt ist dieser Wegerich mit dem bei uns in der Natur sehr verbreiteten Spitzwegerich, der übrigens mit Blattwerk und Blüten und Samen als Lebensmittel gut essbar ist. In schlechten Zeiten wie in der Nachkriegszeit war der Spitzwegerich (wie übrigens auch junge Buchenblätter  als sog. Esslaub) ein beliebter Ersatz für das fehlende Grünzeug. Der Name des Wegerichs zeigt an, dass man ihn überall am Wegesrand finden kann. Er wächst aber auch auf Wiesen und überall dort, wo man ihn nur lässt (und kein Glyphosat hinkommt). Wie der fremdländische Wegerich beinhaltet auch er physiologisch wertvolle Schleimstoffe wie die beiden Zuckerarten Galaktose und Rhamnose Gerbstoffe und Kieselsäure, daneben  in unbedenklich kleinen Mengen auch Saponine. In seinem Abbau entstehen auch die antibakterielle Substanzen, an denen die Pharmakologen grötes Interesse haben.

Nun aber zum Wert des Flohsamenmehls als wertvoller Teil der nativen Kost/Aminas Vitalkost:

Kommen Flohsamen in kleiner Menge unzerkleinert in den nach langer Essenspause leeren Magen, werden sie bei ausreichend großer begleitender Trinkmenge (max. 1 EL/9 g Flohsamen, 1 – max. 2 Gl. Wasser) nicht vom Magenpförtner festgehalten, sondern durchlaufen einfach den relaxierten Magenpförtner und verteilen sich frei auf der Verdauungsscheimhaut des ganzen Dünndarms. Die Inhalte der Samen, ob aus den Schalen oder aus dem Stärkekörper der Samen, kommen aber nur sehr begrenzt zur Verstoffwechslung,weil die einzelnen Pflanzenzellen hermetisch durch ihre Zellulosewände verschlsossen sind. Weder unserer Körpereigenen Enzyme noch solche aus der Nahrung können sie aufbrechen. Ich habe dies schon vor Jahren bei Leinsamen und den kleinen Samen von Chia und Canihua (aus Südamerika) festgestellt.

Alles ändert sich, wenn die Samen fein gemahlen sind. Dann kommt es zu genau den gleichen, von mir eingehend beschriebenen, Vorgängen wie beispielsweise beim Verzehr des Mehls der gar nicht viel größeren Samen von Amaranth und Quinoa (s. http://www.essenspausen.com/der-magische-moment-des-essens-auf-leeren-magen/).

 

Zwei Fragen schließen sich an:

1) Kann das Flohsamenmehl bzw. das Mehl allein aus den Flohsamenschalen den angestrebten mächtigen Verstoffwechslungsprozess der nativen Kost im Dünndarm stören und damit die Lockung des Botenstoffes Serotonin verhindern? Diese Frage, die eine Leserin mir stellte, konnte ich zunächst nicht beantworten, weil ich mich mit Flohsaemn wenig befasst hatte. Ich wusste nur, dass es eine Heilpflanze war und „gut für die Verdauung.“

2) Bringt dieses Mehl tatsächlich Wirkungen mit sich, die die bis dahin meist genutzten Pflanzenmehle von Amaranth und Quinoa nicht mit sich bringen? Wie weit also ist es mit den allgemein angenommenen Heilwirkungen – gerade wenn die Flohsamenschalen Teil der nativen Kost sind?

Die erste Frage stellt sich, weil Flohsamenschalenmehl nach allgemeinem Wissen ein beträchtliche Quellpotenzial im Dünndarm hat. Es wird daher mit praktisch  sicherem Erfolg therapeutisch sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall als Darmregulans eingesetzt. Die Europäische Arzneimitelagentur in London hat Flohsamenschalen im Mai 2013 die Sicherheit und Wirksamkeit bei chronischer Verstopfung und als Stuhlaufweicher in Form eines „Community Herbal Monograph“ bescheinigt.

Der Grund dafür, dass gemahlene Flohsamenschalen, die allein aus den mehreren Hautschichten bestehen, die den Stärkekern der Samen beschützen, liegt darin, dass sie vermahlen mehr als das 50-fache ihres Volumen an Wasser binden können. Ich ging nach den bisher von allen Experten unisono geschätzten Daten davon aus, dass die Gesamtoberfläche des Dünndarms (Kerckringsche Falten, Zotten, Mikrozotten) etwa die Größe eines Tennis-Doppelfeldes, maximal an die 400 m²  hätte. Nachmessungen haben ergeben, dass es nur maximal 40 m² sind. Bei dieser immer noch großen, aber überschaubaren Fläche, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ein paar Gramm Schleim aus gemahlenen Flohsamenschalen leicht mehrere Deziliter Wasser im Dünndarm binden kann.

Dies sind typische Ballaststoffe, die mit der Zunahme des Volumens des Darminhalts auch seine Muskelkontraktionen (Peristaltik) anregen, was Stauungen des Darminhalts (Verstopfungen) auflöst und gleichzeitig die Verweildauer des aufgenommenen Wassers im Darm (Transitzeit) erhöht, was einem Durchfall entgetgenwirkt. Sehr einleuchtend wird das beschrieben u.a. von Frau Dr. Martina Melzer in der Apothekenumschau: http://www.apotheken-umschau.de/heilpflanzen/flohsamen.

Wie auch andere letztlich im Dünndarm nicht komplett verstoffwechselbare Ballaststoffe dient das vom Flohsamenpulver, was an den Dickdarm weitergereicht wird, den dortigen Darmbakterien als Futter, die sie zu kurzkettigen Fettsäuren umwandeln, die nach gesicherter Feststellung in der Lage sind, die Cholesterin-Synthese in der Leber zu begrenzen, was den bei vielen Menschen zu hohen Cholesterin-Spiegel im Blut senkt. Zugleich vermag dies, den Blutdruck zu senken. Im Zusammenwirken mit anderen Maßnahmen mag die Quellwirkung der Flohsamenschalen auch einen positiven Einfluss bei den Bemühungen um die Gewichtskontrolle habe, diese Annahms ist aber wenig sicher.

In Kenntnis dieser Zusammenhänge ist sicher auszuschließen, dass die Verwendung eines Anteils an Flohsamenmehl und selbst von Flohsamenschalenmehl die Verstoffwechslung anderer Stoffe im Dünndarm, etwa Amaranth, Quinoa, Buchweizen, Hirse, Hafer etc. behindert. Diese anderen Zutaten bringen übrigens auch schleimbildende Zuckerstoffe wie insbesondere Galaktose mit sich, nur nicht so viel wie der Wegerichsamen. Wenn durch diesen die Ausschleusung der eingebrachten Nahrung etwas hinausgezögert wird, kann das der Erzeugung des erwünschen starken Verstoffwechslungsreizes nicht schaden, wird ihn vielmehr nur länger erhalten.

Zur zweiten Frage kann ich aus der Erfahrung mit dem regelmäßigen Konsum der Aminas Vitalkost nur esagen, dass sich bei längerern Nutzung gaz ähnliche Vorteile eingestellt haben wie sie für den regelmäßigen Verzehr von lohsamenschalenmehle generell mitgeteilt werden. Ich kann es letztlich nur für sehr wahrscheinlich halten, dass die Heilwirkung bei Darmerkrankungen durch die regelmäßige Verwendung von Flohsaemenschalenmehl nur noch verbessert wird.

Ich sehe daher viel Sinn darin, nach meinen begonnenen ersten Studien und der weiteren Besicherung der Ergebnisse anzuregen, dass die AminasVitalkost künftig auch auf einen Teil Flohsamenschalenmehl beinhaltet.

 

Hilfreiche Nahrungseränzung im Krankheitsfall

Darüber hinaus kann ich bei den genannten Darmstörungen die Nahrungsergänzung Mega Colon Clean von Vita Natura mit bestem Gewissen empfehlen.. Zur Veranschaulichung vergleiche ich es einmal mit dem sehr weit verbreiteten Produkt Flosalin von Sanatura.

In 10 g Flosalin sind 2,2 g gemahlene Flohsamenschalen enthalten, dazu in größerer Menge Maltodextrin und Inulin sowie in geringeren Mengen Fruchtzucker, Säuerungsmittel Citronensäure, natürliches Orangen-Aroma und Paprika-Extrakt. Was sollen die Füllstoffe Maltodextrin und Fruchtzucker? Geht es wirklich nicht ohne Aromastoffe?

In 10 g Mega Colon Clean dagegen sind enthalten:

  • 5 g Psylliumfaser (von der Pflanze
  • 2 g Psylliumsamenschalenmehl
  • 1 g Rote Bete, gemahlen
  • 1 g Acerolamehl
  • 725 mg Citrusöl
  • 50 mg Vitamin C (Ester)
  • 25 mg Papainmehl
  • 25 g Protease (pflanzl. Enzyme)
  • 75 mg Acidophilus-Bakterien
  • 75 mg Bifidus-Bakterien

Die größere Menge an Ballaststoffen aus der Flohsamenpflanze und ihren Samen wie auch aus Rote Bete, und die Vitamine und Enzyme aus rein natürlichen Quellen bilden einen viele wichtige Funktionen des Darms ansprechenden Komplex, von dem bestimmt mehr zu erwarten ist als von den Flohsamen allein.

 

 

 

2 Kommentare zu “Flohsamen (Psyllium) in nativer Kost”

  1. Richtig Essen » Blog Archiv » Pollmer und das Superfood Chia sagt:

    […] Dummerweise wirft Pollmer mit seiner Kritik aber alle Vernunft über Bord. Chia-Samen hat wirklich eine enorm hohe Wasserbindekraft, wohl wirklich noch größer als die von Leinsamen und vergleichbar mit der von Flohsamen (über den ich auch erst vor Kurzem geschrieben habe: http://www.essenspausen.com/flohsamen-psyllium-in-nativer-kost/) […]

  2. Richtig Essen » Blog Archiv » Wann brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel? sagt:

    […] s.http://www.essenspausen.com/flohsamen-psyllium-in-nativer-kost/ […]